„Wie beim Hütchenspiel“: Preidler und Denifl gestehen Doping im Zuge der „Operation Aderlass“

Geständig: Georg Preidler - Foto: © Tana Hell / Instagram: @bytanahell

Dunkle Wolken über dem (österreichischen) Radsport: Mit Georg Preidler und Stefan Denifl haben auch zwei Radprofis Dopingvergehen im Zuge der „Operation Aderlass“ um das Doping-Netzwerk um den Erfurter Arzt Mark S. gestanden.

„Ich hab‘ ein Doping-Geständnis abgelegt. Ich hab‘ mir Blut abnehmen lassen, es aber nie rückgeführt. Aber alleine der Gedanke und die betrügerische Absicht sind schon ein Delikt“, sagte der 28 Jahre alte Preidler, bis Sonntagabend noch in Diensten der französischen Groupama-FDJ-Equipe, in einem Interview mit der „Kronen Zeitung“.

„Gesellschaftlich unten durch“

„Gesellschaftlich bin ich unten durch. Die kommenden Wochen werden hart für mich. Ich weiß aber keine Namen von anderen Athleten. Ich kann mir aber vorstellen, dass es ein internationales Erdbeben geben wird“, meinte Preidler. Groupama-FDJ teilte indes mit, dass der zweimalige Zeitfahrmeister Österreichs der Teamführung am Sonntag seinen sofortigen Rücktritt mitteilte. „Diese Leute kommen auf einen zu, suchen dich aus. Alle meine Erfolge, etwa beim Giro, waren sauber. Ich war ohne Doping gut, habe nie etwas getrickst. Das macht einen interessant“, bereichtete Preidler und ergänzte: „Diese Ärzte geben dir die Sicherheit, dass du nie auffliegst. Es ist wie beim Hütchenspiel. Du weißt, dass es Betrug ist. Aber du spielst mit.“ Im vergangenen Jahr konnte der einstige Sunweb-Profi bei der Polen-Rundfahrt seinen ersten WorldTour-Sieg einfahren.

Vor Preidler wurde mit Stefan Denifl, im Jahr 2017 Etappensieger bei der Vuelta, bereits ein weiterer prominenter österreichische Radprofi im Zuge der Ermittlungen verhaftet und verhört. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck bestätigte inzwischen, dass der der 31-Jährige Blutdoping betrieben hat. Denifl hatte erst im Dezember einen Vertrag mit dem Team CCC unterschrieben, diesen aber aus privaten Gründen wieder aufgelöst.

Der Radsportweltverband UCI hat die beiden Österreicher inzwischen suspendiert. „Die UCI hat nun weitere Informationen zu den Geständnissen von Herrn Georg Preidler und Herrn Stefan Denifl erhalten. Nach der Überprüfung aller Elemente, die sich in seinem Besitz befinden, hat die UCI beschlossen, beide Fahrer gemäß Artikel 7.9.3 der UCI-Anti-Doping-Regeln mit sofortiger Wirkung vorläufig zu suspendieren“, heißt es in einer UCI-Stellungsnahme.

Razzien in Seefeld und Erfurt

Aufgeflogen ist das Doping-Netzwerk vor einigen Tagen bei einer Razzia bei der Nordischen Ski-WM im österreichischen Seefeld, wo mehrere Langläufer überführt wurden. Dort wurden sieben Verdächtige, darunter fünf Athleten festgenommen. Parallel dazu wurden in Erfurt der „Mediziner“ S., ehemaliger Teamarzt der Mannschaften Gerolsteiner und Milram, und ein mutmaßlicher Komplize ebenfalls in polizeiliche Gewahrsam genommen.

Bei den Razzien in Erfurt stellten Beamte rund 40 Blutbeutel und eine Zentrifuge sicher. Die Untersuchungen ins Rollen brachte offenbar die Aussagen des ebenfalss geständigen Dopingsünders Johannes Dürr. Der ehemalige Skilangläufer hatte sich umfangreich über seine Dopingpraktiken geäußert. Weitere Enthüllungen scheinen vor oder nach der Auswertung nur eine Frage der Zeit.

Foto: © Tana Hell / Instagram: @bytanahell

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