Preidler verlässt Sunweb: „Teamleitung setzt nur auf Stars“

Verschnupft: Georg Preidler sah beim Team Sunweb keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr - Foto: © Tana Hell (tana-hell.com) / Instagram: @bytanahell

Beim „King of the Lake“ stellte Georg Preidler bei seinem letzten Rennen der Saison einen neuen Streckenrekord auf. Für den 27-jährigen Österreicher war es zugleich der letzte Renneinsatz im Trikot des deutschen Sunweb-Rennstalls.

Im Interview mit radsportkompakt.de erklärt der amtierende Zeitfahrmeister Österreichs, was ihm bei Sunweb missfiel, wieso er trotz Angebote größerer Teams zur französischen FDJ-Equipe wechselt und über seine Ziele für die Saison 2018.

Herr Preidler, beim „King of the Lake“ rund um den Attersee haben Sie Ihre Saison vor heimischem Publikum mit einem Streckenrekord beendet. Obwohl es kein offizielles Profirennen war, haben sie noch einmal richtig Gas gegeben und die bisherige Bestmarke von Riccardo Zoidl mit einer Zeit von 55:57,97 Minuten um mehr als eine Minute unterboten. Für Sie eine Ehrensache?

Ich wollte mich einfach nicht blamieren und bin deshalb richtig schnell gefahren. Zum Glück ist mir das ja auch ganz gut gelungen. Es freut mich einfach riesig, dass so ein Rennen in Österreich so toll ankommt und angenommen wird. Darum habe ich wie bei jedem anderen Zeitfahren Vollgas gegeben.

Wie waren Ihre Eindrücke während der 47,2 Kilometer um den Attersee?

Es war einfach ein Wahnsinn, wie begeistert die Zuschauer und die anderen Teilnehmer waren. Die Landschaft ist natürlich auch wunderschön, eine gesperrte Strecke – das passt alles ganz wunderbar zusammen.

Mit wieviel Prozent im Vergleich zu einem Grand-Tour-Zeitfahren sind Sie auf die Strecke gegangen?

Die Form war sicher nicht mehr so gut wie mitten in der Saison. Von der Leistung war es daher etwas weniger. Ich habe besonders drauf geachtet, dass die Aero-Position gut ist – dann kann man einiges an Kraft sparen. Gerade auf so einem Kurs kann man sich auf seine Sitzposition konzentrieren – vor allem weil die Strecke wie bei einem großen Rennen gesperrt ist.

Können sich die Veranstalter und Zuschauer am Attersee auch nächstes Jahr auf Sie freuen?

Wenn es geht und mein Rennkalender es zulässt, werde ich auch im nächsten Jahr auf alle Fälle wieder dabei sein – es hat mir richtig Spaß gemacht.

Eigentlich sollten Sie für Ihr Team Sunweb noch Ende Oktober in China starten. Nun war der „King of the Lake“ doch das letzte Rennen der Saison. Wieso?

Das Rennen in China war zuerst geplant, aber wir haben von FDJ nächste Woche schon ein erstes Teamtreffen. Dafür hat mich Sunweb zum Glück freigestellt, damit ich dort dabei sein kann.

Nach fünf Jahren bei Sunweb (vorher Giant-Alpecin, Giant-Shimano und Argos-Shimano) fahren Sie wie ihr niederländischer Teamkollege Ramon Sinkeldam ab der kommenden Saison für den französischen FDJ-Rennstall. Was waren die Gründe für den Wechsel?

Ich habe einfach gemerkt, dass ich bei Sunweb nicht mehr vorankomme und mich nicht mehr weiterentwickeln kann. Die Teamleitung setzt nur auf ein oder zwei Stars – Warren Barguil hat das bei der Vuelta ja zu spüren bekommen. Das hat sich dort einfach alles ziemlich festgefahren und ich habe gemerkt, dass ich einen Wechsel brauche.

Hat es Ihnen also gefehlt, auch mal auf eigene Kosten zu fahren und nicht immer nur Helfer zu sein?

Es bestand eigentlich nie die Option, dass man in eine Fluchtgruppe geht oder in einem Etappenfinale oder einem Rennen etwas auf eigene Karte versucht. Hat man es doch gemacht, wusstest Du gleich, dass Du danach in der Team-Besprechung einen auf den Deckel bekommst, weil das so nicht der Plan war. In dem Team arbeiten alle, halten sich an einen Plan und ziehen an einem Strang – was ja auch sehr gut ist. Aber gerade wenn man in meinem Alter wie ich ist, seine ganze Profizeit in dem Team verbracht und immer nur für andere gearbeitet hat, selber aber nie die Chance bekommt, ist das schon frustrierend. Die Karriere ist schließlich schneller vorbei, als man schauen kann.

Bei FDJ sollen Sie mehr Freiheiten bekommen und nicht nur Helferdienste verrichten. Was wäre für Sie die Rennen, bei denen Sie gerne mal auf eigene Karte fahren dürfen? Die Ardennenklassiker liegen Ihnen ja ganz gut.

Mein größter Wunsch sind in der Tat die Ardennenklassiker. Die fahre ich am liebsten. In den Verhandlungen mit der Teamleitung haben wir darüber gesprochen und sie waren nicht abgeneigt davon. Das sind meine Ziele im nächsten Jahr – und natürlich Thibaut Pinot zu helfen, bei einer Grand Tour möglich weit vorne zu landen.

Wissen Sie schon, für welche Grand Tour man bei FDJ mit Ihnen plant?

Da habe ich ehrlich gesagt noch gar keinen Einblick. Wir haben in einer Woche Teamtreffen – da wird das dann besprochen.

Sie haben erst einmal für zwei Jahre bei FDJ unterschrieben. Wäre es auch eine langfristige Option?

Ich muss einfach mal schauen, wie sich das alle entwickelt und ob man über eine längerfristige Bindung nachdenken kann. Das wird sich alles nach dem ersten Jahr weisen.

Auch BMC soll an Ihnen Interesse gezeigt haben. Wieso ist das Pendel letztlich zu FDJ ausgeschlagen?

Ich habe bei den Gesprächen mit FDJ und meinem Manager einfach gemerkt, dass sie mich unbedingt wollen. Ich hatte auch Angebote von größeren Teams. Doch da wäre ich wie bei Sunweb auch einfach nur eine Nummer gewesen – einer von vielen. Das will ich nicht mehr. Das Angebot von FDJ hat mich am meisten angelacht.

Reizt Sie ein anderes großes Team wie BMC nicht?

Klar ist es immer schön, bei einer großen Mannschaft wie BMC, Movistar, Sky oder wo auch immer zu fahren. Aber da kommen bei einer Grand Tour selbst die Helfer mittlerweile in die Top-10. Da ist ein Fahrertyp wie ich noch weiter hinten in der Hierarchie – und auf einmal fährt man gar keine Rennen mehr.

Es gibt neben Sunweb ja noch ein zweites großes deutsches Team – Bora-hansgrohe mit Weltmeister Peter Sagan. Im nächsten Jahr stehen dort insgesamt vier Österreicher unter Vertrag. Wäre das auch eine Option gewesen?

Es wäre auf jedenfall eine Option gewesen, Bora-hansgrohe ist ein tolles Team. Es hat auch Gespräche gegeben, hat aber nicht geklappt. Das macht aber nichts – vielleicht passt es in Zukunft ja irgendwann mal.

Was sind Ihre Ziele, die Sie in Ihrer Laufbahn noch haben? Gibt es ein Rennen von dem Sie sagen: „Das würde ich gerne einmal gewinnen!“?

Ich war im letzten Jahr beim Giro d’Italia schon ganz knapp dran an einem Etappensieg (Dritter auf der 14. Etappe, d. Red.). Dort eine Etappe zu gewinnen ist schon ein Karriereziel für die nächsten Jahre. Ob das aber im nächsten Jahr oder später ist, kann man nicht vorhersagen. Man darf einfach nie aufgeben und muss immer daran glauben.

Herr Preidler, vielen Dank für das Gespräch, Gesundheit und nur das Beste für die neue Aufgabe bei FDJ.

Foto: © Tana Hell / Instagram: @bytanahell

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