Ex-WADA-Chef Pound: „Sauberer Sport? Reden mehr, als wir für tun“

Foto: Bernd SchweickardRichard Pound, ehemaliger Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, glaubt nicht, dass sich das Dopingproblem des Radsports durch den Fall Armstrong verflüchtigt – und geht auch mit dem laxen Kontrollsystem im Fußball hart ins Gericht.

„Ich kann im Radsport keine fundamentalen Veränderungen erkennen. Wir haben seit Jahren das gleiche Muster“, sagte der 70-jährige Kanadier in einem Interview der Frankfurter Rundschau (Samstagsausgabe). „Es wird gesagt: Wir haben kein Dopingproblem im Radsport. Wird jemand erwischt, heißt es, das sei ein außergewöhnlicher Fall“, verweist Pound auf den Festina-Skandal bei der Tour de France 1998. Ein analoges Schema vermutet der einstige Vize-Präsident des Internationalen Olympischen Komitees IOC nun auch im Fall Armstrong. „Es wird weiter betrogen, es findet eben nur im Verborgenen statt“, resümiert Pound.

„UCI härter zu Tippgebern, als zu Dopern“

Pound reiht sich zugleich in die Kritiker von Pat McQuaid, Präsident des Weltradsport-Verbandes UCI, ein: „Wenn du Leute wie Tyler Hamilton oder Floyd Landis als Drecksäcke bezeichnet, wie es McQuaid gerade getan hat, und nicht Lance Armstrong, welche Botschaft sendest du damit aus?“ Die UCI gehe laut Pound „härter mit dem Tippgeber um, der einen Betrug aufdeckt, als mit dem Doper selbst“.

Dopingproblem auch im Fußball

Doch auch andere Sportarten machen nach Aussage Pounds die Augen zu, statt das Dopingproblem zu bekämpfen. „Anzunehmen, dass del Moral und Fuentes nur mit Radsportlern zu tun hätten, ist verrückt“, erklärte der Ex-WADA-Chef mit Blick auf den Armstrong-Fall sowie die spanische Opertion Puerto. Das von Fußball-Funktionären oft vorgetragene Argument, Doping in ihrem Sport sei sinnlos, verweist Pound entsprechend ins Land der Fabeln: „Damit liegen sie so was von daneben. Das kann doch niemand ernsthaft behaupten.“ Der Glaube an einen sauberen Sport sei daher mehr als naiv. „Wir reden viel mehr über sauberen Sport, als wir für ihn tun“, bilanzierte Pound.

Foto: Bernd Schweickard

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