Doping-Experte Simon: „Forderung von WADA-Chef Fahey würde völlig neue Sieger offenbaren“

Foto: Bernd SchweickardSeit Freitag sind in London die 30. Olympischen Sommerspiele im vollen Gange. Im Gegensatz zu der Tour de France erscheint das Thema Doping in der öffentlichen Betrachtung hier nur als Randnotiz.

Ein Trugschluss, wie der Mainzer Anti-Doping-Experte Perikles Simon im Interview mit radsportkompakt.de sagt. Mit der usbekischen Turnerin Luisa Galiulina und der albanische Gewichtheber Hysen Pulaku wurden bereits zu Beginn zwei Sportler positive getestet.

Herr Simon, die mediale Olympia-Berichterstattung kommt, zumindest größtenteils, ohne das Thema Doping aus. Geht es in London also «sauberer» zu als bei der Tour?

Perikles Simon: Nein sicherlich nicht, auch wenn ich nicht genau weiß, nach welchen Mechanismen bestimmte Medien mit der Causa «Doping» umgehen. Mit die größten Skandale hatte ja in der Vergangenheit die olympische Leichtathletik hervorgebracht.

Quasi getreu nach dem Motto, «was der Zuschauer nicht weiß, macht ihn nicht heiß»? Woher rüht dieses Interesse des «Kleinhaltens»?

Simon: Ich denke einfach, es liegt an den beteiligten Sponsoren, da diese auch in den Medien Werbung machen. Dieses Abhängigkeitsverhältnis könnte ein Grund dafür sein.

John Fahey, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), forderte jüngst alle gedopten Olympia-Teilnehmer auf, den Spielen in London doch fernzubleiben. Wären die Spiele verwaist, würde jeder gedopter Sportler diesem Aufruf folgen?

Simon: Zumindest würden uns die Spiele völlig neue Sieger offenbaren, mit denen wir sonst nie gerechnet hätten. Es wären dann diejenigen Athleten vorne, die ihren Sport tatsächlich noch sauber betreiben. Schade eigentlich, dass wir nie erfahren werden, wer dies sein könnte.

Sind die vor und während der Spiele getroffenen Kontrollen ausreichend, um gedopten Sportlern tatsächlich auf die Schliche zu kommen?

Simon: Nein, das sind sie sicherlich nicht.

Herr Simon, vielen Dank für das Gespräch.

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