NADA wehrt sich gegen Howman-Aussagen

Foto: Stefan SchwarzWenige Wochen vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in London geht das Hickhack um die umstrittene UV-Methode des Erfurter Sportmediziners Dr. Andreas Franke weiter.

Auch der Umgangston zwischen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) wird zunehmends rauer. So warf WADA-Generaldirektor David Howman der Bonner Stiftung in mehreren Interviews vor, sie habe der WADA wichtige Informationen zur Beurteilung der Causa Erfurt vorenthalten.

„Wir haben bis heute nicht alle Informationen aus Deutschland. Keiner unserer Experten hatte alle Fakten auf dem Tisch, und sie wurden auch zu unterschiedlichen Aspekten befragt“, sagte der 62-jährige Neuseeländer in einem Interview mit Zeit-Online und der Frankfurter Rundschau. So habe die WADA beispielsweise die Ermittlungsunterlagen der Erfurter Staatsanwaltschaft – die seit Ende des Jahres 2010 gegen den früheren Vertragsarzt des Olympiastützpunkts Thüringens ermittelt – noch „nie zu Gesicht bekommen“.

April-Gutachten wertlos

Blut von insgesamt 30 Athleten des Olympiastützpunkts Thüringen soll Sportmediziner Franke über viele Jahre mit UV-Strahlen zu Dopingzwecken behandelt haben. Franke hatte stets erklärt, die Methode lediglich zur präventiven Infektbehandlung angewandt zu haben. Noch am 26. April hatte die Anti-Doping-Zentralinstanz nach Durchsicht der ihr vorliegenden Unterlagen der NADA mitgeteilt, die von Franke angewandte UV-Methode sei definitiv erst seit dem Jahr 2011 verboten und damit als Dopingvergehen zu ahnden. Aufgrund dieser Einschätzung hatte sich der Kreis der sportrechtlich unter Verdacht stehenden Sportler von knapp 30 auf lediglich zwei reduziert. Die unzureichende Kommunikation der NADA habe, laut Aussagen Howmans, eine fehlerhafte Beurteilung der umstrittenen Methode durch die WADA zur Folge gehabt.

„Das hört sich ziemlich extrem an: Aber den WADA-Brief vom 26. April sollten Sie ignorieren. Vor dem geschilderten Hintergrund besagt unser Brief nichts mehr“, kündigte Howman in einem Interview mit der ARD-Sportschau nun einen neuerlichen Kurswechsel an. Gleichzeitig kündigte der Neuseeländer an, notfalls selber das Heft in die Hand zu nehmen, sollte die WADA mit der Durchführung von Verfahren der NADA im Fall Erfurt nicht einverstanden sein. „Wenn wir mit dem Fortgang der Ereignisse in Deutschland nicht einverstanden sind, weil die Regeln womöglich nicht eingehalten werden, würden wir auch vor den Internationalen Sportgerichtshof ziehen“, so Howman gegenüber der ARD.

NADA-Chefin wehrt sich

Howman war eigens für die Interviews vom kanadischen Montreal nach Frankfurt an den Main gereist, um auf seine Art Aufklärungsarbeit auf deutschem Boden zu betreiben. Für einen Besuch der NADA-Zentrale in der Bonner Heussallee blieb, warum auch immer, jedoch keine Zeit. Inzwischen reagierte die NADA auf die Aussagen Howmans, über dessen Deutschland-Besuch die Bonner Organisation angeblich nicht im Bilde war. „Die Zurückhaltung von Informationen stimmt nicht. Wir sind sehr, sehr erstaunt und haben das Herrn Howman mitgeteilt“, so die NADA-Vorstandsvorsitzende Dr. Andrea Gotzmann zu den Neuseeländers. „Die Zusammenarbeit war bisher hervorragend. Dieses stellt aber eine weitere gute Zusammenarbeit infrage“, sagte Gotzmann weiter.

Foto: Stefan Schwarz

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