Aldag kritsiert UCI: „Ethisch vertretbar? – Egal“

Kritisches Auge: Ex-Profi Rolf Aldag - Foto: Jered GruberEx-Profi Rolf Aldag hat den Zustand des Profiradsports und im Speziellen den Weltverband UCI hart kritisiert.

Speziell am Weltverband ließ der frühere Teamchef des aufgelösten US-Team HTC-Highroad kein gutes Haar: „Die Mannschaften denken zum Teil fortschrittlicher als die Regierung des Sports. Es bräuchte bei der UCI Veränderungen, aber dazu ist keiner bereit“, sagte der 43-jährige Westfale in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Mittwochausgabe). Die UCI selber charakterisiere sich durch ein „Drüber-hinweg-Bestimmen der UCI, ohne einen Ansatz von Demokratie.“

Vor allem einen seriösen Anti-Doping-Kampf vermisst Aldag bei den UCI-Funktionären gänzlich – wirtschaftliche Interessen seien diesem übergeordnet. „In jedem Bereich wird alles gedehnt, so lange es zum eigenen Vorteil ist. Ob’s ethisch vertretbar ist – egal“, so Aldag ernüchtert. Den Umgang mit der Dopingaffäre um den dreifachen Tour-de-France-Sieger bezeichnete Aldag als „ein totales Desaster“, um zu ergänzen: „Alle Leute, die bei der UCI persönliche Interessen haben, sind in die Entscheidung involviert, das kann nicht sein und ist nicht glaubwürdig.“

Auch dem früheren Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer stellt Aldag ein nicht allzu gutes Zeugnis aus. „Wenn er moralisch hohe Ansprüche hat, muss man auch sagen: An denen ist er schon früher massiv in der täglichen Umsetzung gescheitert“, so Aldags Urteil über den Schwaben, der seit kurzem dem russischen Katusha-Rennstall als Teamchef vorsteht.

Auch Holczer bekommt Fett weg

„Er hat immer davon geredet, er sei sauber und wolle sauber fahren lassen – und dann läufst du angeblich blind durch die Welt und hast (bei Gerolsteiner) mit Stefan Schumacher, Bernhard Kohl und Davide Rebellin drei riesige Dopingfälle in deinen Reihen? Das funktioniert natürlich nicht“, gab der zehnmalige Tour-de-France-Teilnehmer weiter zu Protokoll. Aldag selber hatte im Mai 2007 zusammen mit seinem langjährigen Teamkollegen Erik Zabel auf einer Pressekonferenz jahreslanges Doping gestanden.

Aldag hatte sich nach der Auflösung der HTC-Highroad-Mannschaft Ende der vergangenen Saison aus dem Radsport zurückgezogen. Derzeit arbeitet der ehemalige Telekom- und T-Mobile-Profi als Europa-Geschäftsführer der World Triathlon Cooperation in Hanau, Veranstalter des Ironman auf Hawaii. Zudem steht er seinem ehemaligen HTC-Highroad-Schützling und Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin als Berater bei. Ein Angebot dessen belgischen Omega-Quick-Step-Teams hatte der Deutsche Meister von 2000 jedoch ausgeschlagen.

Foto: Jered Gruber

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