Armstrong „geschützt“ und „verteidigt“: CIRC-Bericht erhärtet Vorwürfe gegen Ex-UCI-Chefs Verbruggen und McQuaid

Lance Armstrong im Jahr 2010Nach 13-monatiger Arbeit hat der Report der unabhängigen Untersuchungskommission Cycling Independent Reform Commission (CIRC) die Vorwürfe gegen die ehemaligen UCI-Präsidenten Hein Verbruggen und Pat McQuaid erhärtet.

„Zahlreiche Beispiele wurden gefunden, die zeigen, dass die UCI Lance Armstrong ‚verteidigt‘ oder ‚geschützt‘ hat und Entscheidungen zu seinen Gunsten getroffen hat. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon die starke Vermutung, ihn wegen Dopings zu verdächtigen“, heißt es in dem 227-seitigen Kommissionsbericht, den der Radsport-Weltverband UCI am Montag veröffentlichte.

„UCI befreite Armstrong von Regeln“

Auch eine Geldzahlung von Armstrong an die UCI in Höhe von 125.000 Dollar konnte durch den Bericht belegt werden, nicht jedoch der angebliche Zusammenhang mit einer Vertuschung von positiven Dopingproben des Amerikaners. „Die UCI befreite Lance Armstrong von Regeln, verpasste es, ihn trotz Verdächtigungen gezielt zu testen und unterstützte ihn öffentlich gegen Dopinganschuldigungen“, heißt es in dem Bericht weiter.

Verbruggen: „Bericht bestätigt meine Unschuld“

Indes sieht der ehemalige UCI-Präsident Verbruggen sich durch die nicht belegbaren Bestechungszahlungen Armstrongs durch den Bericht entlastet. „Ich freue mich, dass dieser Bericht meine komplette Unschuld in Bezug auf diese Vorwürfe bestätigt, denen ich mich in der Vergangenheit ausgesetzt sah“, teilte der 73 Jahre alte Niederländer in eine Stellungsnahme mit. Verbruggen stand der UCI von 1991 bis 2005 ale Präsident vor.

Auch Contador erhielt „Unterstützung“

Auch der zweimalige Tour-de-France-Sieger Alberto Contador (Tinkoff-Saxo) sei laut der Untersuchung in den Genuss einer bevorzugten Behandlung durch den Weltverband gekommen. So wurde der 32 Jahre alte Spanier von seinem positiven Testergebnis auf Clenbuterol bei der Tour de France 2010 bei einem persönlichen Treffen in seinem Heimatland von drei UCI-Funktionären über den positiven Dopingnachweis informiert. Danach sei kontaminiertes Fleisch als mögliche Ursache erörtert worden sein.

Armstrong dankt der CIRC

Armstrong, der Doping lange verhement abstritt, letztlich aber durch die US-Anti-Doping-Agentur USADA doch zu Fall gebracht wurde, begrüßte die Untersuchung. „Ich bin der CIRC dankbar für ihre Suche nach der Wahrheit und dafür, dass ich sie dabei unterstützen durfte. Ich hoffe, dass die Wahrheit den Sport, den ich liebe, in eine leuchtende, dopingfreie Zukunft führen wird“, teilte der 43-jährige Texaner in einem Statement auf seiner Webseite mit.

Trotz eines besseren Kontrollsystems zeichnet die CIRC ein nicht allzu gutes Bild des heutgen Radsports. „Der Kampf gegen Doping ist noch lange nicht gewonnen“, so das Urteil der unabhänigen Kommission. Laut den zahlreichen Gespräche mit Fahrern bestehe noch immer die Ansicht, dass Doping auch heute noch „weit verbreitet ist“. Die Befragung von 174 Zeugen habe zudem ergeben, dass gesperrte Dopingärzte wie der Spanier Eufemiano Fuentes oder der Italiener Michele Ferrari immer noch ihr Unwesen im Peleton treiben sollen.

EPO noch immer im Einsatz

Der Einsatz von bespielsweise EPO sei dank des verbesserten Kontrollsystems zwar nicht mehr so extrem wie in den Hochzeiten, doch sei das Blutdopingmittel durchaus noch im Peleton verbreitet. Allerdings werde EPO nur noch in Mikrodosen eingesetzt, was nur zu sehr geringen Leistungssteigerungen führt.

Foto: Natalie Muir / Lizenzbedingungen (CC BY-NC-ND 2.0)

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