Alle jagen Boonen: Vorschau 110. Paris-Roubaix

Tom Boonen heißt der große Favorit für den Sieg bei der 110. Auflage des französischen Frühjahrsklassikers Paris-Roubaix am Ostersonntag (8. April).

Der 31 Jahre Omega-Pharma-Quick-Step-Profi reist mit einer beeindruckenden Empfehlung in das ehemalige Kohlerevier im Norden Frankreichs: Siege beim E3-Prijs-Harelbeke, Gent-Wevelgem und der Flandern-Rundfahrt konnte Boonen bereits in diesem Jahr auf der Habenseite verbuchen. Nun will der Weltmeister von 2005 seine überragende Klassikersaison mit seinem vierten Sieg in der „Hölle des Nordens“ krönen.

Boonens schärfster Widersacher wird auf der 258 Kilometer langen Tortur von Compiegne bis ins Velodrom von Roubaix jedoch fehlen. Der Schweizer Fabian Cancellara (RadioShack-Nissan/Zweiter im Vorjahr) zog sich bei der Flandern-Rundfahrt einen vierfachen Schlüsselbeinbruch zu und muss seine Hoffnungen auf einen dritten Sieg nach 2006 und 2010 mindestens ein Jahr aufschieben. Dafür schickt sich Boonen nach 2005, 2008 und 2009 an, zum vierten Mal bei der „Königin aller Klassiker“ zu triumphieren und den begehrten Pflasterstein als Trophäe in Empfang nehmen zu dürfen. Nur seinem Landsmann Roger De Vlaeminck (1972/1974/1975/1977) gelang bis dato das Kunststück, viermal das Rennen zu gewinnen.

51,5 Kilometer Kopfsteinpflaster

Zuvor gilt es insgesamt 27 der gefürchteten Kopfersteinpflasterpassagen (Pavés-Sektoren) mit einer Gesamtlänge von 51,5 Kilometern zu überqueren. Schlüsselstellen dürften vor den Schlussrunden im Velodrom vor allem die mit fünf Schwierigkeits-Sternen ausgezeichneten Stücke Aulnoy-lez-Valenciennes – Famars (Pavé-Sektor 21, bei Rennkilometer 142), Trouée d’Arenberg (16, km 172), Mons-en-Pévèle, 10, km 208,5) und Le Carrefour de l’Arbre (4, km 240,5) sein. Sowohl Material als auch Fahrer werden vor eine besondere Belastung gestellt.

Im Vorjahr stahl der Belgier Johan Van Summeren (Garmin-Barracuda) sowohl seinem Landsmann Boonen als auch dem Eidgenossen Cancellara die Show und fuhr als Solist etwas überraschend in das altehrwürdige Velodrom zu Roubaix ein. Nach dem Ausfall Cancellaras gelten in diesem Jahr vor allem die beiden Italiener Filippo Pozzato (Farnese Vini) und Alessandro Ballan (BMC Racing) sowie dessen norwegischer Teamkollege Thor Hushovd als die aussichtsreichsten Rivalen Boonens.

Auch dem spanisch-norwegischem Sky-Duo Juan Antonio Flecha und Edvald Boasson Hagen ist ein Podiumsplatz zuzutrauen. Der australische GreenEdge-Rennstall bietet mit Routinier Stuart O’Grady (38) den Sieger des Jahres 2007 auf. Die Kapitänsrolle bei Cancellaras Luxemburger RadioShack-Nissan-Rennstall fällt indes seinem Landsmann Gregory Rast zu, der im Vorjahr einen vierten Platz einfahren konnte. Mit Frederic Guesdon (FDJ-BigMat) steht zudem der letzte französische Sieger (1997) am Start. Bei seinem Abschiedsrennen will der 41-Jährige nach Platz elf im Vorjahr erneut für die beste Platzierung eines Einheimischen sorgen.

Degenkolb deutsche Podiumshoffnung

Die Augen der deutschen Radsportfans blicken am Ostersonntag vor allem auf den Thüringer John Degenkolb (Argos-Shimano). Bei seiner Premiere im Vorjahr konnte der 23-Jährige auf dem 19. Platz abschließen. Diese Platzierung will der Klassikerspezialist bei seinem Lieblingsrennen in diesem Jahr auf jeden Fall toppen. Wie Degenkolb steht in diesem Jahr auch das deutsche Team NetApp zum zweiten Mal am Start im Pariser Vorort Compiègne. Im Vorjahr war der deutsche Zweitdivisionär lange durch den Hamburger Timon Seubert in einer Spitzengruppe vertreten.

Nach einem deutschen Sieger muss man in der Siegerliste übrigens ganz am Anfang suchen: Im Jahr 1896 gewann der gebürtige Bayer Josef Fischer die allererste Auflage des Kopfsteinklassikers entlang der belgischen Grenze.

Teilnehmende Teams: AG2R La Mondiale (FRA), Argos-Shimano (NED), Astana Pro Team (KAZ), BMC Racing Team (USA), Cofidis (FRA), Europcar (FRA), Euskaltel – Euskadi (ESP), Farnese Vini – Selle Italia (ITA), FDJ – Big Mat (FRA), Garmin – Barracuda (USA), GreenEdge Cycling Team (AUS), Katusha (RUS), Lampre-ISD (ITA), Liquigas-Cannondale (ITA), Lotto Belisol (BEL), Movistar Team (ESP), Omega Pharma – Quickstep (BEL), Rabobank (NED), RadioShack – Nissan (LUX), Saur – Sojasun (FRA), Sky Procycling (GBR), Team NetApp (GER), Team Saxo Bank (DEN),  Vacansoleil-DCM Pro Cycling Team (NED)

Sieger der vergangenen zehn Jahre:

2011: Johan Van Summeren (BEL)
2010: Fabian Cancellara (SUI)
2009: Tom Boonen (BEL)
2008: Tom Boonen (BEL)
2007: Stuart O’Grady (AUS)
2006: Fabian Cancellara (SUI)
2005: Tom Boonen (BEL)
2004: Magnus Bäckstedt (SWE)
2003: Peter Van Petegem (BEL)
2002: Johan Museeuw (BEL)

Deutsche Sieger: Josef Fischer (1896)

Webseite des Rennens

TV: Eurosport – 13:0 0 bis 17:00 Uhr (Live)

Foto: Jered Gruber

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