Jens Zemkes Paris-Nizza-Tagebuch: Ein gebrauchter Tag

Jens Zemke vom Team Bora-hansgroheEs gibt viele schöne Momente, die man im Sport so erlebt – mit Freude, Beigeisterung und Adrenalin, aber der heutige Tag war das krasse Gegenteil.

Strömender Regen bei eiskalten vier Grad und starkem Wind mit 40km/h sind auch für die Radprofis mit guter Kleidung kein Zuckerschlecken. Die 1. Etappe war zwar nur 148 Kilometer lang, bot dafür aber den Zuschauern an den Fernsehgeräten eine unterhaltsame Sonntagnachmittag-Show.

Eine Vier-Mann-Spitzengruppe nach wenigen Kilometern ist nichts außergewöhnliches, aber dass nach 40 Kilometer das Feld in unzählige Gruppen auf der Windkante auseinanderfliegt, ist schon selten. Dann noch Alarm über Funk, als Emanuel Buchmann auf eine Verkehrsinsel stürzt. Unser Doktor diagnostiziert nach einigen Minuten, dass Emu eine Knieverletzung hat und zur weiteren Röntgenuntersuchung ins Krankenhaus muss.

Über Umwege zum Schloss Versaille

„ABANDON“ nach nur 40 Kilometer und der Traum von einem gelungenen Saisonauftakt dahin. Wenigstens kann er abends schon wieder schmunzeln, als ich ihn im Krankenhaus abhole und wir am Schloss von Versaille vorbeifahren und er sagt, dass er das ja sonst nie gesehen hätte.

Bis auf unseren Top-Sprinter Sam Benett sind alle Jungs weit abgeschlagen und kommen mit 16 Minuten Zeitrückstand ins Ziel. Den Auftakt haben wir anders geplant, aber nach einer kurzen Kopfsteinpflasterpassage haben die Teams von Quick-Step Floors, FDJ, Lotto Soudal und Katusha-Alpecin die Situation genutzt mal voll durchzuziehen, wobei die Franzosen Demare und Alaphilippe den Sieg unter sich ausmachen. Da wird es gnadenlos bestraft, wenn man zu weit hinten fährt, aber man lernt daraus.

Jetzt gilt es den Blick nach vorne zu richten und morgen alles besser zu machen.

Bon soir,

Euer Jens


Jens Zemke (50) ist seit Beginn der Saison 2017 Sportlicher Leiter beim deutschen WorldTour-Rennstall Bora-hansgrohe. Für radsportkompakt.de berichtet der viermalige deutsche Bergmeister von den Erlebnissen seines Teams am bei Paris-Nizza.

Foto: Privat

Jens Zemke bei Twitter

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